Sonntag, 20. Januar 2019

Essens Monatsplan

Es gibt gewisse Dinge, die habe ich nicht von meinen Eltern übernehmen können, weil sie mir zu stressig waren. Ich habe dann stattdessen einen anderen Weg eingeschlagen, der besser für mich passte. Das eine ist "modisch sein", das kann ich nicht. Ich kaufe so selten wie möglich Klamotten und was ich kaufe muss blind kombinierbar immer anständig aussehen. Keine Outfitfragen, das macht mich nur krank.
Das andere ist täglich einkaufen und täglich kochen. Auch das kann ich so nicht übernehmen, da es mir zu stressig ist. Allerdings habe ich mit meinem Alternativplan noch viel mehr Vorteile feststellen können, die sehr hilfreich sind und die ich jetzt vorstellen möchte. Vielleicht lösen sie auch Probleme, vor denen du täglich stehst?

Die Probleme sind: Stress, Zeitverlust, Stress beim Einkaufen, Ratlosigkeit in der Essensauswahl, schlecht werdendes Essen in Lagerhaltung und Reste im Kühlschrank, zu groß werdende Lagerhaltung, Überblick verloren...

Mein System, das viele diese Probleme lindert heißt: Strenges Vorplanen für viele Wochen.

Uff... Das klingt jetzt aber erst mal noch anstrengender und irgendwie starr, oder? Letztendlich soll diese Starrheit aber Platz im Kopf schaffen. Man überlegt sich 1x im Monat: Was will ich essen? Was hab ich rumstehen, was dringend weg muss? Welches Kochbuch möchte ich mal wieder umsetzen?
Und dann wird der Monatsplan geschrieben.

***klick für größere Ansicht***

Ich esse mittags auf der Arbeit warm und zu Abend noch eine Scheibe Brot. Das heißt, ich koche 2x in der Woche für die Arbeit und am Wochenende entscheiden wir derzeit noch spontan was gemacht werden soll.
Mit Bleistift trage ich den Plan ein und schreibe es mit grün nach, wenn es erledigt ist. Abweichungen werden dann für den nächsten freien Platz nachgetragen. Beispielsweise ging es mir in der zweiten Jahreswoche nicht gut, so habe ich eine Quiche mit Sauerkraut nicht gemacht, weil ich beim bloßen Anblick von Mehl Rückenschmerzen bekam. Der Zeitaufwand war zu hoch. Die Quiche ist jetzt in den Februar verschoben worden. Zum Glück entstanden dabei keine Reste frischer Zutaten.

Ich koche Beispielsweise am Montag abend eine doppelte Portion. Am 21.1. wäre das "Gefüllte Paprika mit Couscous" aus dem Buch Vegan Oriental, das ich unbedingt haben wollte, aber noch nie etwas daraus gekocht habe. Die kommt in Vorratsboxen aus Glas, welche ich auf der Arbeit in der Mikrowelle erwärme. Am Mittwoch Abend koche ich dann eine doppelte Portion "Börek mit Kürbis und Sojajoghurt" und so weiter.
Am Montag ist Mittagsclub, sozial gesehen macht es Sinn, einmal in der Woche mit den Kollegen essen zu gehen.

Ich weiß also schon 4 Wochen im Voraus, was ich esse. Ich muss dadurch nur 1x in 4 Wochen darüber nachdenken, was ich esse und kann mich den Rest des Monats mit anderen Dingen beschäftigen. 

Ich muss nur 1x in der Woche einkaufen. Das bedeutet auch, dass ich nur 1x in der Woche Stress beim Einkaufen habe (ich kaufe nicht gerne ein) und auch nur 1x in der Woche Gefahr laufe "och, das könnte man noch mitnehmen"-Überflüssigkeiten zu holen. Man spart Zeit, Geld, Platz in den Küchenschränken und Benzin. 

Der schlimmste Stress taucht bei mir auf, wenn ich im Laden stehe und mir dort überlegen muss, was ich essen soll. Das ist dann meistens der Zeitpunkt, an dem ich verzweifelt zu irgendeiner Fertigware greife und grummelig nach Hause fahre. Besonders gesund ist das natürlich nicht. Und seinen Vorrat hat man dabei auch nicht im Blick. Was ist mit den Kapern, die ich schon seit 2 Monaten habe, wie brauche ich das Maismehl auf, wann kommt die halbe Flasche Rotwein in den Kochtopf, die noch im Kühlschrank steht? Und was ist mit dem Kürbis, der dekorativ auf dem Wohnzimmertisch hockt? 
Das habe ich im Blick, wenn ich zu Hause meinen Plan mache. Und was sonst noch so da ist, kann ich anhand des Plans für die jeweilige Woche mit meinem Einkaufszettel abgleichen. 

Ich mache das jetzt seit fast einem Jahr und muss feststellen, dass es mir sehr viel Halt und innere Ruhe gibt. Es spart unglaublich viel Geld und es führt zu sehr wenig Problemen in der Lagerhaltung. Früher habe ich viel mehr Spontankäufe einfach so mitgenommen, weil man könnte ja wieder mal. Aber das muss man dann eben auch im Auge behalten und planen. 
Natürlich kann man so keine Sonderangebote mit einplanen. Jedoch muss man das in Deutschland auch nicht, da unsere Lebensmittel generell so billig sind, dass man sehr viel sparen kann alleine durch die Zusammenstellung der Rezepte. Es muss nicht immer das Premium Sojageschnetzelte sein, wenn man eine Tüte Bohnen oder Linsen für die Hälfte bekommt und viel länger damit auskommt. Mit günstigen Dingen abzuwechseln macht im Endeffekt eine kreative, gesunde Mischung. 
Letztendlich spart man so tatsächlich mehr, als wenn man Sonderangeboten hinterher rennt und im Endeffekt irgendwie doch mehr Geld hingeblättert hat, weil das günstige Sonderangebot trotzdem teurer ist als generell preiswerte Alternativen einzustreuen. 
Anderes Beispiel: Paprika ist ein relativ kostenintensives Gemüse. Kohl dagegen kann sehr günstig sein, muss aber nicht. Wenn man das etwas im Blick hat, wo der Kohl preisstabil ist, kann man damit spielen. Außerdem ist der Kohl meistens größer als die Paprika, da gibts wieder mehr Menge fürs Geld. Und die verschiedenen Kohlarten sind verschieden teuer.


Vielleicht probierst du es ja mal aus. Ich habe so jedenfalls einen großen Ruhepol gefunden.

Donnerstag, 17. Januar 2019

Radish Kimchi - fermentierte Radieschen

Radieschen, das ist für mich lange ein Problem gewesen. Ich mag Radieschen, aber nicht jeden 2ten Tag ein ganzes Bund, das ist einfach zu viel. Und manchmal fielen die einfach an, dann wurden sie immer mehr und mehr. Eine Lösung musste her.

Zuerst kommen wir zur Radieschenlösung, danach dazu, wieso das eigentlich passiert ist.



3 Bund Radieschen
2 EL Salz

4 Frühlingszwiebeln

0,5 TL Zucker
0,5 TL Salz
0,5 süßer Apfel
2 EL Gochu Garu (koreanische Chiliflocken)
3 Knoblauchzehen
das gleiche Volumen an Ingwer
1 kleine Zwiebel
1 EL Sojasoße
Wasser

Zuerst versuchte ich mich am Rezept von Maangchi für Radish Kimchi zu orientieren, aber dann wusste ich mal wieder alles besser. Was meistens dazu führt, dass es in die Hose geht. Diesmal zum Glück nicht.
Die Radieschen waschen, putzen und vierteln oder achteln, je nachdem, ob es Kügelchen oder ganze Planeten an Radieschen sind. Die dann halbwegs trocken gut mit Salz behandeln, 1 h einwirken lassen. Bei Chinakohl macht man das für die Entwässerung. Danach fiel mir siedend heiß ein, dass man Radieschenviertel gar nicht auspressen kann, darauf habe ich sie 2x mit Wasser gewaschen und probiert. Leider hatten sie das Salz schon so stark aufgenommen, dass sie versalzen schmeckten. Aber der gute Chemier weiß: Das gibt sich wieder. Der osmotische Druck gleicht sich aus. Wenn die Flüssigkeit außen rum etwas zu wenig Salz hat, wird sich das Radieschen wieder entsalzen. 
Die gewaschenen Radieschen kommen dann in ein Fermentierbehältnis, geschnittene Frühlingszwiebel dazu und ein Püree aus Zucker, 0,5 TL Salz, halber süßer Apfel, Gochu Garu, Knoblauchzehen, das gleiche Volumen an Ingwer, 1 kleine Zwiebel und 1 EL Sojasoße darüber. Das war dann alles relativ trocken, wo wir doch wissen, dass Lactobazillen nicht die am besten begeißelten Bakterien sind. Meistens haben sie gar keine Geißeln. Die brauchen immer etwas Schwimmhilfe, daher habe ich das Ganze mit Wasser aufgegossen und das Püree um mindestens das halbe Volumen verdoppelt.

Verschlossen dann 5 Tage bei Raumtemperatur fermentiert, danach noch mindestens 24 h im Kühlschrank stehen lassen, bevor probiert wird.

Der Geschmack ergab sich als besonders herausragend, richtig gut! Gerne ein Schälchen zum Abendessen, oder auch mal als kaltes Topping auf Reis, ein absoluter Genuss. So macht es Spaß, viele Radieschen zu kaufen.
Die böse Schärfe verlieren sie und die starke Knackigkeit verschwindet auch. Die Konsistenz wird deutlich weicher, aber nicht matschig. Insgesamt ist das Radieschenkimchi sehr saftig.

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Jetzt aber zum Wieso passiert das eigentlich bei mir, dass ich dauernd Radieschen kaufe, obwohl ich keine brauche? Nun, ich interessiere mich für das Grün der Pflanze, die Knollen sind mir eigentlich egal. In Brasilien gab es in einem Hotel einen "Detox Saft", so ein fahles grünes Zeug, das mein Kollege ganz eklig fand, ich aber sofort liebte. Es hatte eine freche Süße, die von einer Säure unterstützt wurde und dazu irgendwas grünes im Geschmack hatte. Dazu eine heftige Bitterkeit, nur für Kenner. So ein Kenner bin ich. Und in Deutschland gibt es sowas nicht. Durch Zufall entdeckte ich die extrem hohe Ähnlichkeit des Geschmacks zu püriertem Radieschenblatt. 


Schön an Radieschenblatt ist auch, dass es die Farbe über 2-3 Tage hält. Keine braunen "Green Smoothies". 

Nach einigen Experimenten habe ich den Saft so hingebaut, dass er sogar besser als das brasilianische Original ist. Aber vorsichtig bei dieser Aussage, er ist dabei eben auch deutlich bitterer und brennt mehr auf der Zunge. 

1 Bund Radieschengrün
etwas Wasser
0,5 vorderstes Daumen-bis-Gelenk-Stück großer Ingwer
Maracujanektar

Mit etwas Wasser oder schon etwas Saft die gut gewaschenen Radieschenblätter im Hochleistungsmixer pürieren. Meiner hat dafür eine "Green Smoothie" Funktion.

Je mehr Maracuja rein kommt, desto leckerer wird es quasi. Allerdings sollte sich der Maracujaanteil möglichst gering halten lassen, lieber etwas mehr Wasser dazu. Denn Säfte sind wie direkte Zuckerspritzen ins Blut und trotz ihres guten Rufes leider nicht besonders gesund für die Zuckergesundheit. Nur Radieschengrün schmeckt aber nicht.
Mit dem richtigen Mischungsverhältnis hat man daraus dann bis zu 750 mL Sääft gemacht, den man über 2 Tage verteilt zur Arbeit mitnehmen kann.  

Variation: Mit Orangensaft oder "Frühstückssaft" vom Lidl geht das auch wunderbar. Allerdings muss die Mixtur zwingend 10 Stunden im Kühlschrank stehen, weil in dem Mix noch etwas Alchemie passiert, während Maracuja direkt danach das volle Aroma bereit stellt.

Auch mit Stangensellerie dazu gemixt ergeben sich Kombinationen, bei denen man den Saftgehalt noch etwas senken kann. Und manchmal nehme ich Spinat statt Radieschenblatt mangels Verfügbarkeit von wirklich frischem Grün. Der Spinat wird allerdings über Nacht braun, das sieht dann nicht mehr so detox aus. Das Auge trinkt ja mit.


Da wirklich frisches Radieschengrün nicht immer erhältlich ist, ist es gerade spannend, 3-5 Bund zu kaufen und alle auf einmal zu verarbeiten. Einen großen Topf Kimchi machen und das Blatt schon fertig pürieren mit Ingwer und Wasser, dann in Silikonförmchen einfrieren. So ist immer etwas Grün vorhanden, auch wenn der Supermarkt heute nur vetrocknete Blätter hat. 


Montag, 14. Januar 2019

Fermentierter Sellerie

Ich mache regelmäßig Kimchivariationen, bei denen ich stets versuche, irgendwas einfacher, schneller oder leckerer zu machen. Und ich fermentiere gerne Knoblauch, um den haltbar und schnell zugänglich zu machen. Diesmal hatte ich noch Salzlake übrig und da lag Stangensellerie...


Sieht ein bisschen unappetitlich aus, weil der einst hellgrüne Stangensellerie jetzt eher gelblich ist und sich die Salzlake gelblich verfärbt, obendrein trüb wird. Aber nicht davon täuschen lassen! Was hat die deutsche Küche in ihrer Gleichförmigkeit an Geschmacksexplosion für Veganer zu bieten? Leider nicht viel. Aber dieser Sellerie ist quasi mit klassisch deutschen Zutaten und er IST definitiv eine Geschmacksexplosion! 

Das ist drin:
Klein geschnittene Stangenselleriestücke
3 Wacholderbeeren, die eines auf die Mütze bekommen haben, um sich zu öffnen
1/2 TL ganzer schwarzer Pfeffer
1 Knoblauchzehe, ganz
ein paar Streifen Lauch
1 Lorbeerblatt
3%ige Salzlake

Verschließen und 7 Tage bei Raumtemperatur stehen lassen, danach in den Kühlschrank. 

Der Sellerie hat eine milde Säure bekommen, ist aber knackig geblieben. Dazu hat er die Gewürze in sich aufgenommen und ein herrliches Aroma aus dem Besten des Pfeffers, vor allem den Geschmack und weniger die Schärfe, Wacholders und sanft Knoblauch ist erschienen. 
Und wer noch nie in Salzlake fermentiert gegessen hat denkt bei Säure bitte nicht an Essiggurken. Eher wie die Säure eines sanften Joghurts: Frisch, zurückhaltend, edel und nicht brennend. Denn letztendlich arbeiten wir hier mit den gleichen Bakteriensorten und mit der gleichen chemischen Reaktion: Lactobazillen wandeln Zuckeranteile in Milchsäure um. Und Milchsäure ist sanft bis bestimmend, aber nie brennig. 

Fermentiertes unterstützt die gesunde Darmflora, wenn es im lebendigen Zustand gegessen wird. Das bedeutet, diesen Sellerie empfehle ich direkt roh aus dem Glas. Generell empfehle ich täglich etwas Fermentiertes roh zu sich zu nehmen, denn die gutartigen Bakterien daraus sind unsere Freunde. Sie interagieren mit dem Darm und können nicht nur die Verdauung unterstützen, sondern noch so viel mehr tun. Die Wissenschaft um Darmbakterien hat erst an der Oberfläche gekratzt, aber unsere Bakterien tun so viel für uns und definieren uns. Warum mit Bakterien zusammen wohnen, die Schadstoffe ausstoßen? Und das ist kein esotherisches Gefasel, es ist rein chemisch. Bakterien sind kleine Chemiekraftwerke und deren Metaboliten sind für die Abfallprodukte, welche ebenso für uns toxische Produkte sein können. Viele Lebensmittelvergiftungen heißen nicht um sonst Vergiftungen: Die aufgenommenen schädlichen Bakterien sondern Gift ab. Aber sie können sich eben auch in kleinen Mengen in unserer Darmflora verewigen. Nennt sich dann "Ausscheider", die Bösen kommen ja auch dauernd mit raus und können Mitmenschen infizieren...

Wir kürzen das hier jetzt mal ab: Esst mehr lebendiges Fermentiertes!

Für alle, die mehr lesen wollen, ein Literaturtipp:

Freitag, 17. August 2018

Türkische Vorspeisen-Fülle

Ich mag diese Gerichte, die keine Gerichte sind, sondern eher eine große Auswahl an tollen Dingen. So als wenn der ganze Tisch voller Vorspeisen voll steht und man von allem nehmen kann! Leider funktioniert das in unserer Kultur so nicht ("Das ist MEIN Essen!!"), daher habe ich zu Hause in der Menge für 2 Personen sowas in der Art hergestellt. 


Im türkischen Laden habe ich Brot, Oliven, Pepperoni und Ayvar gekauft. Selbst gemacht habe ich Tzaziki aus Sojajoghurt, gefüllte Weinblätter und gefüllte Aubergine (das grünrote Chaos in der Pfanne).

Das Rezept der Weinblätter ist von Cookbakery und einfach klasse!
Nur das mit den Weinblättern hat leider nicht gut geklappt. Zuerst habe ich gar keine gefunden und dann gabs welche einvakuumiert oder in einem seltsamen Glas. Ich habe dann die einvakuumierten genommen und gewaschen... jedenfalls habe ich das versucht. Das Zeug ist milchsäurevergoren und roch eigenwillig. Außerdem hat es zusammen geklebt wie mit Superkleber behandelt, sodass 50% der Blätter in feinste Stückchen zerrissen sind. Die anderen waren auch hart löchrig, aber irgendwas brauchte ich dann ja zum Rollen, also hab ichs trotz Rollen verwendet. Leider habe ich den vergorenen Geschmack nicht rausbekommen, sodass ich die Rollen fast komplett alleine essen musste (über 4 Tage), weil gewisse andere Leute ja leider Vergorenes bis auf Joghurt ablehnen.

Die Aubergine ist leider auch total missraten. Teilweise zerkocht, teilweise roh... nächstes Mal schneid ich einfach alles in kleine Stücke und mach eine Mischpfanne draus.

Im Großen und Ganzen war es aber sehr lecker und ich sollte das bald mal wiederholen. Vielleicht eignet sich sowas auch als Bento. Der Knackpunkt sind jetzt die Weinblätter, die muss ich irgendwo frisch her bekommen. Ich wohne zwar inmitten von Weinreben, aber einem vergeht der Appetit, wenn man beim Glyphosat spritzen zuschaut. Und im türkischen Laden gibt es leider keine Frischen.



Mittwoch, 15. August 2018

Dörrobstmotten und Schädlingsprävention

In meiner Jugend hatten wir eine Käferinvasion in der Küche. Seitdem belächel ich die Wut, alles akribisch einzudosen nicht mehr, sondern empfinde sie als höchst sinnvoll. Die Larven der Käfer hatten sogar meine Schokolade infiziert, das war nicht witzig.

In meiner eigenen Küche war mir die klassische Plastikdosenmarke meiner Mutter natürlich zu teuer und generell war das auch alles zu anstrengend. Bis ich eines Tages einen Kokon an der Roggenmehltüte fand. Nach kurzer Recherche entschied ich mich für ein schwedisches Plastikdosensystem und hatte da drin auch schon 2x Käferplage - die blieb aber immer brav in ihrer Dose und konnte nichte weiter infizieren. Ich war zu 50% durchgedost, der Rest war in mit Clips verschlossenen Plastikbeuteln. Bis zu dem Tag der Raupe. .... DÖDÖÖÖÖM...

Ich glaube, es begann damit, dass ich komische dreckige Fäden in einer Mandeltüte fand und eine tote Motte in meiner Chilimühle. Danach ging ich dem nach.
"Machs wie deine Geschwister und beiße die Plastiktüte einfach durch."

Mutter Dörrobstmotte hat es erkannt. Denn mein System war anfällig und höchst fehlerhaft: Die Raupen der Dörrobstmotte haben die Superkraft, sich durch Plastikfolie durchzubeißen und besitzen sogar zwei Bakterienstämme im Bauch, die Polyethylen verstoffwechseln können. 

Alles, was nicht in den schwedischen Dosen war, war jetzt potentiell belastet. Meine Suche führte mich durch all meine Vorräte, überall fanden sich seltsame Fäden, welche von den Raupen gesponnen wurden. Kotbröckchen, ganze lebendige Raupen, lebendige und tote Falter. Ich durchforstete meine Mandelvorräte - alle infiziert. Leinsamen, Rosinen, getrocknete Aprikosen, Reis, sogar das Naschfach war befallen und diverse Schokoladen angekaut. Neckisch schauten mich die kauenden Raupen an. 

Wo hatte das seinen Ursprung? Ich hatte sogar 2 Quellen zurückverfolgen können: Einen 4.5 kg Sack Reis und eine Tüte Nuss-Rosinenmischung.



Im Sack Reis befanden sich die meisten Raupen und diverse verstorbene Falter. Die Raupen hatten sich letztendlich von innen nach außen gebohrt und ließen auch die adulten Falter raus, um überall in meiner Küche ihre Eier abzulegen. 


Ganz Forschergeist fing ich ein paar Raupen ein und sperrte sie zum Beobachten und lernen in eine Dose mit genug Futter. Die Kleinen haben die Angewohnheit, nach oben zu laufen. In der Tat fand ich sehr viele an der Decke, immer wieder las ich Raupen an der Küchendecke auf und auch Falter in der gesamten Wohnung. Nachdem die Raupen groß genug sind, suchen sie etwas entfernt vom Futter interessante Verpuppungsplätze auf. Das sind in Wohnungssprache: Hinter den Küchenschränken, unter der Lampenverkleidung und hinter Bilderrahmen. Heißt aber auch, wenn man seine ganze Wohnung zu 100% Raupensicher gemacht hat, findet man die Falter noch bis zu 6 Monate danach regelmäßig an der Decke. Die sind zum Glück träge und lassen sich einfach fangen. Direkt an der Decke breit schlagen ist keine gute Idee, das Falterpulver ruiniert die Tapete. 

Ich habe breiten Zugriff zu allerhand Bioziden, aber ich habe mich dagegen entschieden. Generell aber eine Übersicht, wie Biozide gegen diese Insekten funktionieren: 

Gegen die Falter gibt es Kontaktgift, welches auf die Oberflächen aufgetragen wird, auf die sie sich vorzugsweise setzen. Sie nehmen es mit den Beinen auf und innerhalb weniger Minuten legt es das Nervensystem lahm, die Tiere fallen von der Decke und verenden. Problem bei diesen Motten: Sie setzen sich überall hin, man braucht also sehr viel Gift. In der eigenen Wohnung ist die ganze Decke mit Permethrin und Ähnlichem einzustreichen nicht nur aufwändig, sondern auch dem Wohnklima absolut nicht zuträglich.

Gegen die Raupen wirkt ein Chitinsynthesehemmer, welcher im Idealfall mit einem Kontaktgift kombiniert ist. Die Raupen können sich so nicht zu Motten entwickeln. Dieses Gift muss dann aber auch wieder überall hin, wo die Raupen sind. Also innerhalb der Küchenschränke und außen an die Dosen. Gift mit Lebensmittelkontakt? Halte ich auch hier dem Wohnklima nicht für zuträglich.

Mottenfallen über Pheromone fangen nur einen kleinen Teil der fertigen Motten und bekämpfen die Raupen nicht. Die sind als Qualitätskontrolle nett, aber nicht wirksam und können im schlimmsten Fall sogar neue Motten von draußen anlocken.

Ich habe mich daher für das Aushungern entschieden. Alles sicher verpacken! 



Das bedeutet, alles, was irgendwie trocken ist, in Gläser und verlässliche sehr dicke Plastiksysteme zu sperren. Dabei habe ich gemerkt, dass das abgebildete schwedische Plastiksystem nur eine Verlässlichkeitsrate von 95% hat. Die Glassysteme auf den Fotos hatten bisher eine Sicherheit von 100%. Was passiert? Die Schütte der Plastikboxen wird durch eine Gummilippe versiegelt. Besonders junge kleine feine Raupen können dazwischen kriechen und anfangen an der Gummilippe zu kauen. Damit erhalten sie Eintritt und vernichteten so meinen Leinsamenvorrat.

Aber ich habe auch gemerkt, dass das akribische Einglasen aller Dinge im Haushalt einen schönen Nebeneffekt hat, der mir sehr gut gefällt: Keine Boxen in Ecken mehr mit chaotisch eingefüllten Tüten, welche man kaum mehr zuordnen kann. Jedes Lebensmittel hat seinen Platz. Was keinen Platz hat, muss sofort gegessen werden und verstopft die Küche nicht. So bekomme ich seit dem Mottenausbruch nachhaltig meine Vorräte in den Griff, den totalen Durchblick und auch meine Süßigkeiten sind perfekt geordnet und davor sicher, Überhand zu nehmen.



Und was ist eigentlich mit den infizierten Lebensmitteln passiert? Die Raupen verschmutzen die Lebensmittel leider sehr nachhaltig. Einige Mehle habe ich gesiebt, denn die Raupenfäden bilden Klumpen und lassen sich so abtrennen. Ich habe darauf geachtet, keinem Besuch infizierte Waren zu geben, das habe ich dann schon selbst gegessen. Die Mandeln waren leider komplett zerstört, die habe ich entsorgt. Auch die Leinsamen waren so heftig verschmutzt, dass nichts mehr ging. Den Reis habe ich zu 50% sortiert und nach dem Aussortieren von gefühlt 100 Raupen (es waren aber mindestens 50) im Gefrierfach abgetötet und gegessen. Lebensmittelverschwendung kann ich nicht leiden, aber zu starke Verschmutzung muss man als Mikrobiologe leider auch einmal so betrachten: Die Tiere züchten allerhand Keimsorten in ihrem Bauch, von denen ich nicht ausgehen muss, dass sie mir bekommen. Daher muss ich auch nicht davon ausgehen, dass sie sich als Lebensmittelzusatz eignen. In anderen Ländern werden Insekten zwar gegessen, aber in anderen Ländern können die Einwohner normal ihr Leitungswasser trinken und dabei passiert nichts. Tu ich das als Europäer, bekomme ich Montesumas Rache und sitze mindestens 5 Tage auf der Toilette fest.


Schutz vor Schädlingen ist wichtig, denn die versauen einem nicht nur das Essen, sondern auch nachhaltig die Laune. Sie fangen an einen zu zermürben. Man fängt an von ihnen zu träumen. Auch nach Monaten findet man immer wieder Falter und möchte langsam nur noch weinen. Daher rate ich dringend dazu: Tut es wie Muttern und verstaut alles spießig in Vorratsbehältern. Und vor allem in welchen, die auch wirklich dicht sind, testet die auf Herz und Nieren.
Lasst euch nicht von den Motten beherrschen. Es kann jeden treffen.

Dienstag, 14. August 2018

Bento mit Kürbisnudeln

Im August war die Animagic und auch wenn ich die meiste Zeit hinter dem Künstlerstand von Ass of Bike rumgegammelt habe und mir einen faulen Lenz gemacht habe, hat es mich dann doch noch in einen Workshop verschlagen: Bento Workshop. Ich hab ja Bentozeug und es auch schon gemacht, tu das aber eigentlich viel zu selten.

Im Workshop gabs Hintergründe und Planungskonzepte, wie man sowas nicht so schnell aus den Augen verliert und wie es nicht zu 3 Stunden Arbeit ausartet. Das ließ mich neuen Mut fassen und hier ist also erst mal wieder ein Bento.


Kleines Gemüse, Knusperzeug aus dem Naschfach, Oliven, mit Sojasoße und Sambal Olek marinierter gebratener Naturtofu und Meerestierformnudeln mit fester Kürbissoße. Die Idee hinter der Soße war, nach Puddingkochmanier so viel Stärke einzukochen, dass sie beim abkühlen stichfest werden sollte, um nicht auszulaufen. Und das hat auch gut geklappt. Ungefähr einen Teelöffel Maisstärke in Kaltwasser aufgeschlämmt und zu der heißen Soße gegeben. Kurz kochen lassen und fertig. Das Andicken sieht man dann tatsächlich erst im kalten Zustand.

Donnerstag, 2. August 2018

Doppelhipster Glasstrohhalme aus Pipetten und Gemüsetüten

Wir haben erkannt, dass die Welt zu viel Plastik hat! Vor allem, da vieles irgendwie in die Meere kommt, statt verbrannt oder recyclet zu werden.

Was mich an Plastik oft stört, hat aber dann doch eher erst einmal einen egoistischen Kern: Ich muss das Zeug schleppen und entsorgen. Das nervt! Und es ist dann noch schade um den Rohstoff.

Was habe ich bisher getan?

1. Wasserflaschen schleppen, wo Wasser besserer Qualität doch aus dem Wasserhahn kommt? Ich habe einen Sodastream angeschafft. Stilles Wasser mag ich leider nur bis 10 °dH, ich wohn bei 25 °dH. Also mit Sprudel und alles ist gut.

2. Softdrinks, Saft etc kommt nicht aus dem Wasserhahn. Da habe ich mir das Meiste einfach abgewöhnt, hat meistens eh total unnötige Kalorien. Wenn ich etwas fertiges mit Geschmack trinke, ist es meistens aus einer Glasflasche des Pfandsystems (Bier eben).

3. Nichtmal ein Schritt für die Müllberge, sondern direkt einer für die Qualität: Ich trinke nur losen Tee mit Stahlteesieb oder losen Kaffee aus der Bialetti. Kaffee to go gibts bei mir gar nicht, viel zu stressig.

4. Shampoo und Gesichtsreiniger habe ich feste Seifen oder Syndete, die in Pappe oder diese mit Wasser auflösbaren Biobeutel kommen.

5. Ich habe mir 1-Portion Pudding und Joghurt abgewöhnt. Gibts in vegan sowieso kaum und da habe ich gemerkt, dass ich das eigentlich gar nicht brauche und stattdessen lieber ein schönes Stück Schokolade esse. Die kommt in einer mehrmals-draus-essen-Packung.

6. Und Plastiktüten in Einkaufsläden (an der Kasse + Gemüsetheke) verweigere ich schon seit 6 Jahren. Das war früher etwas anstrengend, aber inzwischen ist das ja sogar vorgeschrieben.

7. Generell nicht mehr so viel haben wollen. Dinge können auch überfordern. Man muss sich Zeit für seine Dinge nehmen. Wenig Zeit, wenig Dinge.


Was mich derzeit am meisten stört:

1. Plastikverpackungswahnsinn um Obst und Gemüse
2. Papp- und Plastikverpackung um Versandgut
3. Plastik- und Aluverpackung um Süßigkeiten

Aber was sagt die EU dazu? 
Wir sollten bei Strohhalmen anfangen! Denn Strohhalme, die tun niemandem weh, wenn die weg sind. Da werden viele Leute sagen "Ja, die EU tut etwas gegen das Plastik!" und die Wiederwahl ist gesichert. Das Ansehen beim Nachbarn auch.
Die Strohhalme sind zwar noch nicht weg, aber überall tauchen seitdem Alternativen aus Stahl, Bambus, Papier und Glas auf. Ich bin kein großer Strohhalmbenutzer, ich habe seitdem ich 2012 auszog vielleicht 1x eine kleine Packung gekauft. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Einen Bedarf dafür habe ich also eigentlich gar nicht. Aber gestern kam die Kollegin mit einer Hand voll 2 mL Glaspipetten rein: "Hat jemand Bedarf daran? Die Skalierung ist total unleserlich und ich würde die wegwerfen!". Perfekt. Ich habe sie genommen und mit einem Glasschneider angeritzt und abgebrochen, sodass das dünne Ende weg war und die Länge eingekürzt wurde. Heute habe ich dann die Bruchkanten am Bunsenbrenner glatt geschmolzen. Und nun habe ich Doppelhipster Upcycling Ökostrohhalme aus Laborglas!


Was? Da hat gerade jemand beim Lesen "Igitt" gedacht? Ja, sie stammen aus einem Labor und wurden dort benutzt. Und wisst ihr was? Da gingen leckere Dinge wie Glutaraldehyd durch, die einen Totenkopf tragen. Und süße Mikroorganismen wie Escherichia Coli und Staphylococcus aureus, die hervorragende Erkrankungen erzeugen können. Und wisst ihr was? Genau das macht diese Pipetten so sicher. Denn dadurch, dass sie aus der Mikrobiologie stammen, sind sie von höchster Reinigung und wurden autoklaviert. Sauberer und toter gibt es kaum, selbst neu ist dreckiger wegen eventueller Produktionsrückstände. 

Ich habe sie nach der Umschmelzaktion trotzdem nochmal in die Spülmaschine gestellt. 


Die Länge hab ich ganz gut getroffen. Jetzt kann ich auch mal Caipirinha trinken. Oder nen Smoothie dadurch ausprobieren, bisher sind mir die festen Pasten relativ missfallen. Der Tipp ist da, relativ feste Smoothies einfach durch den Halm zu saugen. 



Aber kommen wir nochmal zurück zu dem, was mich stört: Obst und Gemüse in Plastik. Und mein Projekt für den Monat August ist, komplett unverpackt zu kaufen in diesem Segment. Bedeutet auch die Pappverpackung zu missachten, denn habt ihr eine Ahnung, wie viele Chemikalien bei der Erzeugung von Pappe und Papier benutzt werden? Das kommt einer Tüte Plastik schon sehr nahe. Diese Chemikalien sind ja meistens auf Mineralölbasis. 
Ich habe mir also diese waschbaren wiederverwertbaren Zugbeutel gekauft und werde damit jetzt diesen Monat ausprobieren, was so geht. Wir haben hier viele Hofläden und auch in Supermärkten und Discountern gibt es ja lose Ware. Nur eben nicht immer alles. Aber das sollte man sich eh abgewöhnen, immer das Richtige haben zu wollen. 



Versandverpackungen... nun, das kann man reduzieren, indem man nichts bestellt. Das werde ich dann nebenbei laufen lassen, da immer eine Alternative zu finden. Das ist kein Monatsprojekt, weil ich selten überhaupt was bestelle.

Und das mit den Süßigkeiten kommt dann später. Die Evolution ist auch nicht in einem Tag passiert, anders als es uns die Bibel weis machen möchte.


Was habt ihr so für Projekte zur Müllreduktion?